Weltreise 2008 + Südamerika 2019

Donnerstag, 17.07.2008


Wieder liegen 4.250 km Pazifik hinter uns. Tahiti empfing uns nachts mit Regen und weiteren unerfreulichen Erlebnissen. So konnten wir weder den versprochenen Voucher für das von uns für die nächsten Tage auf der Nachbarinsel Mo´orea gebuchte Hotel in Empfang nehmen, obwohl uns die hiesige Reiseagentur für diese Leistung bereits 40 EUR abgeknöpft hat, noch war auf dem ganzen Flughafen ein funktionierender Bankautomat ausfindig zu machen. 

Blick aus dem Hotelzimmer ├╝ber Papeete (Tahiti)
Da sich die äußerst unfreundlichen Taxifahrer weigerten, für die Fahrt nach Papeéte US-Dollar entgegen zu nehmen, mussten wir die uns noch verbliebenen Dollar und Euro-Barschaften zu einem sehr schlechten Kurs und noch dazu zu extrem hohen Gebühren in CPF (Central Pacific Franc) eintauschen, um dann festzustellen, dass das verbleibende Geld nicht mehr ganz für die Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt (knapp 23 EUR für ungefähr 5 km Fahrt) reichte. Erst nach hartnäckigem Nachfragen wies man uns dann den Weg zu einem verschlossen wirkenden Bankbüro, in dessen Innenbereich sich ohne jeglichen Hinweis außen dann doch noch ein funktionierender Bankautomat befand. Die ganze Aktion hat uns unnötigerweise etwa 10 Euro gekostet und riecht sehr nach einem abgekarteten Spiel zwischen Banken, Geldwechslern und Taxifahrern am Flughafen. Wir fühlen uns jedenfalls ziemlich geneppt, was einen nicht gerade gewogen macht für dieses Land, das man gerade besuchen will und welches ohnehin durch überzogene Preise glänzt.

Montag, 21.07.2008

 

Papeete, das Verwaltungszentrum von Französisch-Polynesien, liegt an einem riesigen, gut geschützten Naturhafen und seine Häuser ziehen sich weit die dicht bewaldeten Vulkanhänge hoch. Neben dieser sicherlich wunderschönen Lage, ein paar prächtigen kolonialen Regierungsgebäuden, die man leider nicht besichtigen kann, einer alten sehenswerten Markthalle und einigen geschmackvollen, aber teureren Läden ist die Stadt  jedoch nicht sonderlich interessant. Ganz nett ist es allenfalls, aus einem der Straßencafés die vorbeiflanierenden Leute zu beobachten: etwas stiernackige, muskelbepackte Südseeinsulaner mit vielfältiger Tätowierung neben bereits heftig aus dem Leim gegangenen Mitbewohnern, hoch gewachsene, drahtige Tänzertypen mit verwegenen Kopftüchern neben grazilen, mandeläugigen Südseeschönheiten mit langem, lockigen Wallehaar sowie die etwas muskulösere, eher quadratische bis kugelrunde weibliche Variante, die -  gewandet in grellbuntes Blumenmuster – ihre Pfunde selbstbewusst und mit Stolz mit sich herumträgt. Dazwischen europäische Typen französischen Einschlags, etwas verwittert mit Dreitagebart und dem Erfordernis nach einer intensiveren Wäsche sowie die in der Regel zierliche, gut gekleidete, extrovertierte Französin, die pausenlos über ihr Handy kommuniziert. Vereinzelt schlurfen auch noch hellhäutige Angelsachsen mit bestrumpften Füßen in Sandalen sowie eine kleine, aber feine Spezies sonstiger Europäer (einige - so wie wir - auch schon etwas heruntergekommen mit seit Monaten nicht mehr gewaschenen Joggingschuhen, an denen noch der rote Sand der Atacama klebt) in der Gegend herum.

 

Nach zwei Übernachtungen hat uns Papeete gereicht und wir sind auf die Nachbarinsel Moorea gefahren, die im Gegensatz zu Tahiti mit einigen wenigen goldgelben Badestränden aufwarten kann. Tahiti selbst hat entgegen allem Südseeklischee nur dunkle Strände, aber dafür eine grandiose Vegetation im Landesinneren zu bieten. Die Überfahrt nach Moorea war ziemlich rau. Wind und lang auslaufende Wellen kamen von der Seite und der große Motorcatamaran, mit dem wir unterwegs waren, hüpfte und schaukelte ganz gewaltig. Es war wie Berg- und Tal-Bahnfahren auf dem Jahrmarkt, die Erwachsenden waren blass im Gesicht, während die anwesenden Kinder juchzten vor Vergnügen.

 

Moorea ist wie Tahiti recht bergig, die Berge dicht bewaldet und das Inselinnere schwer zugänglich. Es gibt nur eine asphaltierte Straße, die um die Insel herumführt. Die weißen bis goldgelben Korallenstrände sind recht schmal, erfüllen aber mit ihrem Palmenbestand und dem türkisblauem Wasser im Hintergrund jedes Postkartenimage. Leider ließ das Wetter in den ersten 2 Tage etwas zu wünschen übrig, es war sehr windig und bewölkt. Heute dagegen war ein Bilderbuchtag, blauer Himmel, ein leichter Wind, vielleicht noch ein wenig zu hohe Luftfeuchtigkeit.

 

Die Insel ist derzeit dicht bevölkert mit Franzosen, die nichts besseres zu tun haben, als in unserem europäischen Sommer mit Kind und Kegel in die Südsee zu reisen, obwohl der Urlaub hier um ein Vielfaches teurer ist als am Atlantik oder am Mittelmeer, und es den vielen Kleinkindern sicherlich egal ist, ob sie hier oder an den Gestaden des Mutterlandes am Strand buddeln (auch wenn dies politisch völlig inkorrekt ist : uns wäre jedenfalls Letzteres lieber).

 

Essen (woran der Franzose ja nicht zu sparen pflegt) und Lebensmittel sind locker mal um 50-100 % teurer als bei uns, dafür sind die Portionen kleiner, was uns persönlich aber nach dem üppigen Essen in Südamerika derzeit nicht schaden kann.

  

Sonntag, 27.07.2007

 

Ich habe mich heute im wahrsten Sinne des Wortes an den Computer geschleppt, um noch interessierten Kreisen über unseren weiteren Reiseverlauf zu berichten. Es ist nicht etwa so, dass es einen Anlass für Erschöpfung gibt, denn wir verbringen unsere Tage mehr oder weniger mit Schlafen, Essen und ein wenig Sport (Schnorcheln, Canoing – der Nationalsport in Französisch-Polynesien, genannt va´a – Fahrradfahren und ein bisschen Laufen), wir sind aber einfach unglaublich träge, was wohl am feuchtwarmen Klima und der insgesamt sehr entspannten Atmosphäre liegt. Den Leuten hier geht es gut. Man lebt ganz auskömmlich vom Tourismus, den auch der Staat durch vielfältige Steuern maximal auszubeuten versteht, sowie vom Perlenverkauf (wunderschöne dunkle Exemplare sind zu erstehen, schade dass ich erst im Oktober Geburtstag habe). Das Bruttosozialprodukt soll nach Australien das zweithöchste in Ozeanien sein. Trotzdem stresst sich hier niemand bei der Arbeit. Das sog. Housekeeping unseres Zimmers ist nach nicht ganz 5 Minuten beendet und beschränkt sich im Wesentlichen auf das Entleeren des Mülleimers und gelegentlichen Handtuchwechsel. Es bleibt dann der deutschen Hausfrau selbst überlassen, kleinere und größere Sandwehen aus dem Zimmer zu kehren. Die französischen Touristen haben damit offenbar kein Problem und auch ich habe es nur insoweit, als wir schließlich mehr als 100 EUR für unser Zimmerchen zu zahlen haben. Aber diesbezüglich kommen sich eben französische und polynesische Lebensweise sehr entgegen. Zeit für ein Mittagsnickerchen und das geruhsame Betrachten des Sonnenuntergangs muss immer sein und das hat ja auch etwas sehr Sympathisches. Dafür lässt man sich beim Essen nicht lumpen. Es ist – wie alles hier – teuer, aber gut. Wir genießen frisches Baguette, Camembert und andere lang nicht mehr gesehene Köstlichkeiten zum Frühstück. Insoweit also doch ein Hoch auf die französische Lebenskultur. Wenn wir uns nächste Woche über Auckland nach Fiji und damit wieder in eine britisch beeinflusste Zone begeben, wird es erstmal wieder vorbei sein mit dieser Herrlichkeit.  


Montag, 04.08.2008

 

Wir haben am Dienstag bei einer polynesischen Tanzveranstaltung stimmungsvoll Abschied genommen von Moorea. Die Show war zwar sehr touristisch und das obligatorische Mitmachprogramm führte nicht gerade zur Verbesserung meiner zuvor beim Laufen eingehandelten Adduktorenzerrung und Bernhard´s immer noch verstauchtem Fuß. Gleichwohl war der Auftritt von nahezu 60 Tänzern und Tänzerinnen mit tollen Kostümen und gewagten Feuertanzdarbietungen beeindruckend. Wenn man schon mal in Französisch-Polynesien ist, muss man auch eine solche Tanzveranstaltung besuchen. Alleine die mitwirkenden Damen und Herren sind eine Augenweide.

 

Am Donnerstag sind wir dann um 7.00 Uhr morgens von Tahiti nach Auckland gestartet, wo wir nach 6-stündigem Flug am Freitagmorgen um 11.00 Uhr ankamen (kleine Denksportaufgabe). In Auckland (1,5 Mio. Einwohner) herrschte ziemlich ungemütliches Wetter, die Region wurde gerade von dem regenreichsten Juli seit Jahren heimgesucht und die outdoor-orientierten Neuseelländer sind ziemlich gefrustet. Für uns war das nicht so schlimm, denn wir wollten ja ohnehin weiter in die Südsee und uns in Auckland nur mit einigen Bedarfsartikeln und frischer Wäsche eindecken. Ansonsten war der erste Eindruck von Neuseeland aber sehr positiv. Wir haben die Infrastruktur einer gepflegten, modernen, westlichen Großstadt mit all ihren Annehmlichkeiten sehr genossen. Das Land macht einen recht wohlhabenden Eindruck, ist gut organisiert, die Leute sind freundlich und mit der Zeit werden wir sicher auch das hier gesprochene „Englisch“ immer besser verstehen.